Charcoal sketch of an ice hockey defenseman at the blue line watching the play, with the headline Top 10 Defensemen – the 10 best NHL defensemen of all time

Die 10 besten NHL-Verteidiger aller Zeiten

Ich bin 28 und habe keinen einzigen dieser Männer live gesehen, ausser den letzten beiden – und die auch nur im Stream. Aber ich habe jedes Tape geschaut, das es gibt, und ich habe eine Meinung. Nach den besten NHL-Stürmern aller Zeiten ist jetzt die Position dran, die in solchen Listen immer zu kurz kommt: die Verteidiger. Die Männer, die das Spiel von hinten kontrollieren, statt es von vorne zu dekorieren.

Drei Kriterien: Dominanz in der eigenen Ära, Zwei-Wege-Spiel, und die Frage, ob die Position ohne diesen Mann heute anders gespielt würde. Wer nur Punkte macht, ist ein vierter Stürmer mit Rückennummer über 60. Wer beides kann, ist ein Verteidiger. Und wer die Art verändert hat, wie Verteidiger spielen, gehört auf diese Liste.

Zu jedem Spieler gibt es ein Highlight-Video. Schaut sie euch an – bei den älteren Herren lohnt es sich doppelt, weil man sonst nicht glaubt, wie gut die waren.

10. Chris Pronger

Im Jahr 2000 gewann Pronger die Hart Trophy als wertvollster Spieler der Liga und die Norris als bester Verteidiger in derselben Saison – als erster Verteidiger seit Bobby Orr, 28 Jahre vorher. Das allein sagt, wo er einzuordnen ist. Aber die eigentliche Pronger-Geschichte ist eine andere: Er stand innerhalb von fünf Jahren mit drei verschiedenen Teams im Stanley-Cup-Final. Edmonton 2006, Anaheim 2007 (gewonnen), Philadelphia 2010. Drei Teams, die ohne ihn nie so weit gekommen wären. Pronger war zwei Meter Reichweite, gemein an der Bande, und der letzte Verteidiger, der ein Spiel allein durch seine Anwesenheit verändert hat. Dass seine Karriere mit 37 wegen einer Augenverletzung und Gehirnerschütterungen endete, gehört leider dazu.

Die Hall-of-Fame-Karriere von Chris Pronger (YouTube)

9. Chris Chelios

26 Saisons. Drei Norris Trophies, mit Montreal, Chicago und Detroit, verteilt über zehn Jahre. Drei Stanley Cups, der erste 1986, der letzte 2008 – 22 Jahre dazwischen. Chelios spielte sein letztes NHL-Spiel mit 48 Jahren, und nein, das war kein Abschiedsspiel, er wurde regulär eingesetzt. 1651 Spiele, nur Zdeno Chara hat als Verteidiger mehr, und mit 266 Playoff-Spielen hält er den Rekord für alle Positionen. Er war nie der schnellste, nie der grösste, nie der Beste in irgendeiner Einzelkategorie. Er war einfach in allem sehr gut, und das länger als jeder andere. Wer wissen will, wie kompletter Zwei-Wege-Hockey aussieht, schaut Chelios in den 90ern.

Chris Chelios: 26 Saisons in 5 Minuten (NHL) (YouTube)

8. Eddie Shore

Ja, der hier ist alt. Shore spielte von 1926 bis 1940, und die Aufnahmen sehen aus wie ein Stummfilm. Aber vier Hart Trophies als MVP hat bis heute kein anderer Verteidiger. Kein Orr, kein Lidström, niemand. Shore war der erste Verteidiger, der die Scheibe selbst nach vorne trug, statt sie loszuwerden, und er war so brutal, dass die Liga wegen ihm Regeln änderte. Man kann darüber streiten, ob man Spieler aus dieser Ära überhaupt mit heutigen vergleichen kann. Ich finde, man muss. Wer seine Ära so dominiert hat, dass er 90 Jahre später noch in jeder Diskussion vorkommt, gehört auf die Liste.

Eddie Shore, der erste grosse Verteidiger der Bruins (NHL) (YouTube)

7. Paul Coffey

48 Tore in einer Saison. Als Verteidiger. Dieser Rekord aus dem Jahr 1986 steht noch heute, und ich glaube nicht, dass er je fällt. Coffey war der schnellste Schlittschuhläufer seiner Generation, und die Oilers haben ihn nicht als Verteidiger eingesetzt, sondern als vierten Stürmer, der zufällig hinten startete. 1531 Punkte, drei Norris, vier Cups – drei mit Edmonton, einer mit Pittsburgh neben Lemieux. Warum nicht weiter oben? Weil er defensiv nicht in der Liga der Männer über ihm war, und weil diese Liste keine Punkteliste ist. Aber niemand, wirklich niemand, hat das Eis von hinten so überfahren wie er.

Die Karriere von Paul Coffey (YouTube)

6. Larry Robinson

«Big Bird» hat eine Statistik, die ich jedes Mal wieder nachschlage, weil ich sie nicht glauben kann: Plus 722 über die Karriere. Das ist der beste Wert der NHL-Geschichte, und der Zweite ist meilenweit weg. In 20 Saisons hatte Robinson keine einzige mit negativer Bilanz. Sechs Stanley Cups mit Montreal, zwei Norris, Conn Smythe 1978, und 20 Jahre in Folge in den Playoffs. Er war zwei Meter gross, konnte laufen, konnte passen, und wenn es sein musste, hat er die Kabine des Gegners auch mal allein aufgeräumt (fragt Dave Schultz). Robinson ist der Verteidiger, den jeder Trainer haben will und keiner mehr bekommt.

Die Hall-of-Fame-Karriere von Larry Robinson (YouTube)

5. Denis Potvin

Vier Stanley Cups in Folge, 1980 bis 1983, als Captain der New York Islanders. Die Dynastie wird als Team erinnert – Bossy, Trottier, Smith – und Potvin fällt dabei oft hinten runter. Das ist falsch. Er war der Motor. Drei Norris, Calder als Rookie, und als erster Verteidiger überhaupt 1000 Punkte. Potvin konnte alles: Punkte machen, austeilen, das Powerplay führen, im Penalty Killing blocken. Er war das, was Pronger 25 Jahre später wurde, nur mit vier Ringen mehr. Dass die Rangers-Fans ihn bis heute auspfeifen, obwohl er seit 1988 nicht mehr spielt, ist das grösste Kompliment, das man in New York bekommen kann.

Denis Potvin – NHL Career Highlights (Islanders) (YouTube)

4. Doug Harvey

Sieben Norris Trophies. Sechs Stanley Cups, davon fünf in Folge mit Montreal von 1956 bis 1960. Harvey hat etwas erfunden, das heute selbstverständlich ist: das Tempo eines Spiels von der blauen Linie aus zu kontrollieren. Er hat die Scheibe gehalten, wenn alle anderen sie losgeworden wären, hat das Spiel verlangsamt, beschleunigt, und das Powerplay der Canadiens so gefährlich gemacht, dass die Liga die Regel änderte: Seit 1956 darf ein Spieler nach einem Powerplay-Tor die Strafbank vorzeitig verlassen. Das ist Harveys Regel. Ohne ihn gäbe es keinen Orr, keinen Lidström, keinen Makar. Dass er nach der Karriere ein schwieriges Leben hatte, ändert nichts an dem, was er auf dem Eis war.

Doug Harvey – 100 Greatest NHL Players (YouTube)

3. Ray Bourque

22 Saisons. 1579 Punkte, 1169 Assists, 410 Tore – alle drei sind Rekorde für Verteidiger, und sie werden es bleiben. Fünf Norris, 13 Mal First-Team All-Star, 19 Jahre in Folge im All-Star-Team. Bourque war nie spektakulär wie Coffey und nie so gross wie Robinson, er war einfach 22 Jahre lang der beste Spieler auf dem Eis, egal gegen wen. Und dann die Geschichte, die jeder kennt: 2000 lässt Boston ihn nach Colorado ziehen, weil er mit 39 endlich einen Cup will, und 2001 hebt er ihn als Erster in die Höhe, vor dem Captain, weil Joe Sakic weiss, wem der Moment gehört. Wer bei dem Bild nicht Gänsehaut hat, hat den Sport nicht verstanden.

Ray Bourque Career Highlights (YouTube)

2. Nicklas Lidström

Der perfekte Verteidiger. Nicht der spektakulärste, nicht der härteste, der perfekte. Sieben Norris, vier Stanley Cups, 20 Saisons in Detroit ohne eine einzige schlechte, und in 20 Jahren gut 40 Spiele verpasst. Conn Smythe 2002 als erster Europäer, Captain beim Cup 2008 als erster Europäer. Lidström hat nie einen Gegner umgehauen, er hat ihn einfach nie an sich vorbeigelassen. Perfekte Stockposition, perfekter Winkel, perfekter erster Pass. Die Wings-Spieler nannten ihn «The Perfect Human», und das war nur halb ironisch. Wenn Orr das Genie ist, ist Lidström die Präzision. Und wer mich fragt, welchen der beiden er als junger Verteidiger studieren soll, dem sage ich: Lidström. Orr kann man nicht lernen.

Nicklas Lidström's Career Highlights (YouTube)

1. Bobby Orr

Ich habe ihn schon in der Stürmer-Liste auf Platz zwei gesetzt, und ich stehe dazu. Hier gibt es keine Diskussion. Orr ist der einzige Verteidiger der Geschichte, der zweimal Topscorer der gesamten Liga war – nicht bester Verteidiger, bester Spieler, Art Ross Trophy, 1970 und 1975. Acht Norris in Folge, drei Hart, zwei Conn Smythe, zwei Cups. Plus 124 in einer einzigen Saison, ein Rekord, der so absurd ist, dass er nie wieder in die Nähe kommen wird. Vor Orr waren Verteidiger Männer, die die Scheibe aus der eigenen Zone bekamen. Nach Orr waren sie Spieler, die ein Spiel entscheiden können. Alles, was Coffey, Bourque, Makar tun, hat er vorgemacht, mit Knien, die ihn mit 30 zum Aufhören zwangen. Zehn volle Saisons. Mehr hat es nicht gebraucht.

Bobby Orr's Dominance Was Actually Insane (YouTube)

Pending: Cale Makar

Ich weiss, dass einige von euch jetzt scrollen und «Wo ist Makar?» tippen wollen. Hier ist er. Calder, Norris, Conn Smythe und Stanley Cup mit 23 – das hat vor ihm niemand geschafft. Er läuft wie Coffey, verteidigt besser als Coffey, und er ist der einzige aktive Spieler, bei dem ich mir sicher bin, dass er in zehn Jahren auf dieser Liste steht, wahrscheinlich in den Top fünf. Aber diese Liste bewertet Karrieren, nicht Talent, und Makar hat seine erst zur Hälfte gespielt. Also: pending. Ich aktualisiere diesen Artikel, wenn es so weit ist, und ich freue mich darauf.

10 Minutes of Cale Makar Domination (Colorado Avalanche) (YouTube)

Honorable Mentions

Die hier haben gefehlt, und über jeden einzelnen kann man mit mir streiten:

  • Scott Niedermayer – hat alles gewonnen, was man im Hockey gewinnen kann: vier Cups, Norris, Conn Smythe, Olympiagold, WM, World Cup, Memorial Cup, Junioren-WM. Der eleganteste Läufer nach Coffey. Fehlt nur, weil er nie die dominante Nummer eins der Liga war.
  • Brian Leetch – Conn Smythe 1994 als erster Amerikaner, zwei Norris, und der Grund, warum die Rangers nach 54 Jahren wieder einen Cup hatten.
  • Al MacInnis – der härteste Schuss der Geschichte, Conn Smythe 1989, Norris 1999. Torhüter haben sich vor seinem Slapshot gefürchtet, im wörtlichen Sinn.
  • Zdeno Chara – 2,06 Meter, Norris 2009, Cup 2011, und mit über 40 noch 20 Minuten pro Spiel. Der grösste Spieler der Geschichte, in beiden Bedeutungen.
  • Red Kelly – acht Stanley Cups, vier als Verteidiger in Detroit, vier als Center in Toronto. Erster Norris-Gewinner überhaupt, 1954.
  • Brad Park – sechsmal Zweiter bei der Norris, nie gewonnen, weil er in der Orr-Ära spielte. In jeder anderen Dekade hätte er drei.
  • Scott Stevens – drei Cups mit New Jersey, Conn Smythe 2000, und die härtesten Checks, die je legal waren. Stürmer haben ihre Karriere an seiner Schulter beendet.
  • Victor Hedman – Norris 2018, Conn Smythe 2020, zwei Cups. Der beste Verteidiger seiner Generation vor Makar, und noch nicht fertig.

Und aus der Schweiz: Roman Josi

Josi gehört nicht in die Top 10, und er würde das als Erster sagen. Aber er gehört in diesen Artikel, weil er 2020 als erster Schweizer die Norris Trophy gewonnen hat, seit fast zehn Jahren Captain der Nashville Predators ist und mit 96 Punkten in der Saison 2021/22 eine Zahl geliefert hat, die vor ihm 30 Jahre lang kein Verteidiger mehr erreicht hatte. Ohne Mark Streit, der als erster Schweizer Verteidiger in der NHL wirklich Verantwortung bekam, wäre der Weg für Josi schwerer gewesen. Und ohne Josi würden heute keine Schweizer Junioren davon träumen, in der NHL Verteidiger zu werden.

Roman Josi 2021/22 Highlights – die 96-Punkte-Saison (YouTube)

Fazit: Orr, dann Lidström, und dann wird gestritten

Die ersten beiden Plätze sind für mich gesetzt. Ab Platz drei kann man jede Reihenfolge verteidigen, und genau das macht diese Liste besser als die Stürmer-Liste: Bei den Stürmern gibt es Gretzky und dann alle anderen. Bei den Verteidigern gibt es zwei Arten von Grösse – die, die das Spiel nach vorne tragen, und die, die es hinten zumachen – und die besten haben beides gekonnt.

Wer fehlt euch? Wer ist zu hoch? Und wer sagt mir, dass Makar jetzt schon reingehört? Schreibt es in die Kommentare, ich lese alles.

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