Spielt Patrick Kane wirklich die P88? Wir hatten seine echte Kelle in der Hand
Spielt Patrick Kane wirklich die P88? Wir hatten seine echte Kelle in der Hand
Frag zehn Leute im Hockeyshop nach der P88, und mindestens acht sagen „die Kane-Curve“. Der Name hängt so fest an dieser Biegung, dass ihn kaum jemand hinterfragt. Wir hatten Kanes echte Pro-Stock-Kelle in der Hand – und die kurze Antwort lautet: Nein, Patrick Kane spielt keine P88.
Was auf dem Schläger steht
- Modell: Bauer Vapor 1X
- Flex: 77
- Spec-Code: 2208-9
- Kelle: Kanes Pro-Curve – im Handel als PRO1088 geführt
Eine Einordnung, die wir uns nicht sparen: Die Kelle ist die originale Kane-Curve, daran gibt es nichts zu deuteln. Ob dieser konkrete Schaft in dieser Flex je von Kane selbst gespielt wurde, können wir nicht belegen. Pro-Stock-Schläger existieren auch als Muster- und Ersatzbauten, und veröffentlichte Angaben zu Kanes Flex schwanken. Was hier zählt, ist die Kelle – und die ist echt.
Die echte Kane-Curve: PRO1088
Kanes Biegung gehört zu den bekanntesten Custom-Kellen der NHL – und sie stammt nicht von der P88 ab, sondern von der alten Retail-P10 „Shanahan“. Gegenüber der P10 ist sie:
- etwas flacher mit weniger Toe
- mit einem grösseren Absenker an der Ferse
- etwas kürzer im Blatt
- mit einem stärker angeschrägten, eckigen Toe
Genau dieser eckige Toe ist der auffälligste Unterschied. Die Retail-P88 hat einen runden Toe. Wer beide nebeneinander hält, sieht es sofort.
Echte Kane-Curve gegen Retail-P88
Die Retail-P88: mittige Krümmung, runder Toe. Vergleiche das mit dem eckigen Toe auf dem ersten Bild.
| Merkmal | Kane Pro (PRO1088) | Retail P88 |
|---|---|---|
| Herkunft | Abgeleitet von der P10 „Shanahan“ | Eigenständiges Retail-Muster |
| Toe-Form | Eckig, angeschrägt | Rund |
| Ferse | Deutlicher Absenker | Gleichmässiger Übergang |
| Blattlänge | Eher kurz | Standard |
| Erhältlich als | Pro Stock | Überall im Handel |
Warum Retail-Curves trotzdem Spielernamen tragen
Das ist kein Betrug, sondern Branchenpraxis. Retail-Kellen sind standardisierte Kompromisse für den Massenmarkt. Eine Pro-Curve wird über Jahre auf einen einzelnen Spieler abgestimmt – sie liesse sich weder wirtschaftlich in Serie fertigen noch würde sie den meisten Amateuren liegen.
Was der Handel also tut: Er nimmt die Charakteristik eines Spielers – bei Kane die ausgewogene, kontrollierte Mid-Curve mit neutraler Kellenfläche – und baut daraus ein Muster, das für viele funktioniert. Der Name kommt dazu, weil er verkauft.
Dasselbe Prinzip erklärt, warum die P28 überall „McDavid-Curve“ heisst, obwohl McDavid eine mittigere Kelle spielt. Und warum bei Andres Ambühl gar kein Kellencode mehr auf dem Schläger steht – seine Form ist so speziell, dass es kein Retail-Äquivalent gibt.
Heisst das, die P88 ist schlechter?
Im Gegenteil. Die P88 ist zu Recht eine der beliebtesten Biegungen überhaupt: neutrale Kellenfläche, hervorragende Rückhand, sehr fehlerverzeihend. Für Allround-Spieler und Einsteiger ist sie eine der besten Optionen am Markt. Bei uns gibt es sie zusätzlich als erhöhte P88 + ¼ in der Pro-Custom-Konfiguration.
Der einzige Punkt, den dieser Artikel klarstellt: Kauf sie, weil sie gut zu dir passt – nicht, weil du damit Kanes Kelle spielst. Das tust du nämlich nicht.
Der Spieler
Patrick Kane wurde 2007 als erster Gesamtpick von den Chicago Blackhawks gedraftet und gehört zu den besten amerikanischen Spielern der NHL-Geschichte. Drei Stanley Cups, eine Hart Trophy, eine Conn Smythe Trophy – und ein Spielstil, der über Handgelenke, Puckgefühl und Timing funktioniert statt über pure Kraft. Genau dafür ist seine Kelle gebaut: kurz, kontrolliert, mit einem Toe, der beim engen Puckhandling mitarbeitet.
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