Andres Ambühls Schläger: Specs, Custom-Kelle und sein einzigartiger Tapejob
Andres Ambühls Schläger: Specs, Custom-Kelle und sein einzigartiger Tapejob
Über die Schläger von NHL-Stars findest du im Netz alles. Über die Ausrüstung von Schweizer Profis praktisch nichts. Dabei ist genau das oft interessanter – weil hier niemand ein Marketingbudget hat, das mitredet. Wir hatten den Schläger von Andres Ambühl in der Hand. Und der erzählt gleich drei Geschichten.
Specs
- Modell: Bauer Nexus 2N Pro XL
- Flex: 87
- Curve: Komplett custom – kein Kellencode
- Schusshand: Rechts
- Tape: Schwarzer Streifen unten, weisse Einbindung am Toe
Das XL im Namen steht für extra light. Der Nexus 2N Pro XL war zu seiner Zeit eines der leichtesten Modelle im Bauer-Sortiment – und die lange Zahlenreihe darunter ist keine Seriennummer, sondern Ambühls Spieler-ID bei Bauer. Über sie ordnet die Fabrik jeden einzelnen Schläger dem richtigen Profi zu.
Warum Profis alte Modelle spielen
Der Nexus 2N Pro XL ist längst nicht mehr die aktuelle Generation – und trotzdem spielen ihn bis heute viele Profis. Der Grund ist simpel: Wer ein Modell gefunden hat, das passt, wechselt nicht. Ein neuer Schläger bedeutet neues Gefühl, neuen Kickpoint, neue Gewichtsverteilung – und damit Wochen der Umgewöhnung mitten in der Saison.
Die Hersteller wissen das. Deshalb produzieren sie alte Formen für ihre Profis weiter und versehen sie mit der aktuellen Grafik. Von aussen sieht es aus wie das neueste Topmodell, innen ist es die Form, die der Spieler seit Jahren kennt. Genau das nennt man einen Dressed Stick – und wenn du im Fernsehen einen Profi mit dem brandneuen Modell siehst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass darunter etwas ganz anderes steckt.
Die Kelle: custom, ohne Code
Hier wird es speziell. Ambühls Kelle trägt keinen Kellencode – keine P92, keine P28, keine PM9. Sie ist eine komplette Sonderanfertigung, über Jahre auf sein Spiel abgestimmt.
Das ist im Profibereich öfter der Fall, als die meisten denken. Retail-Curves wie P92 oder P28 sind standardisierte Kompromisse für den Massenmarkt. Ein Profi, der zwanzig Jahre auf höchstem Niveau spielt, braucht diesen Kompromiss nicht – er bekommt seine Form.
Der Tapejob – das eigentliche Highlight
Wenn du auf dem Foto genau hinschaust, siehst du etwas, das so praktisch niemand spielt. Ambühl tapt seine Kelle nicht durchgehend, sondern in zwei Schritten:
Unten ein einzelner schwarzer Streifen entlang der Kellenkante – ein Tapejob, der aus dem Rollerhockey kommt. Auf schwarzem Carbon ist er kaum zu erkennen, weshalb er den meisten nie auffällt. Er schützt die Unterkante, ohne das Gewicht und das Puckgefühl eines vollen Tapejobs mitzubringen.
Vorne am Toe eine weisse Einbindung – dort, wo die Kelle beim Bully, an der Bande und bei Blocks am meisten leidet. Zwei Zonen, zwei Funktionen, minimales Material.
Das ist keine Marotte, sondern zwanzig Jahre Erfahrung, destilliert auf zwei Streifen Tape. Wer wissen will, wie Profis wirklich mit ihrem Material umgehen, findet hier mehr Antwort als in jedem Katalog.
Der Spieler
Andres Ambühl, Jahrgang 1983, ist eine Institution des Schweizer Eishockeys. Aufgewachsen und gross geworden beim HC Davos, ist er dem Klub über seine gesamte Karriere hinweg treu geblieben – unterbrochen nur von einem kurzen Abstecher nach Nordamerika. Mit der Nationalmannschaft hat er an einer aussergewöhnlichen Zahl von Weltmeisterschaften teilgenommen und hält damit einen der bemerkenswertesten Rekorde des internationalen Eishockeys.
Dass ein Spieler mit dieser Laufbahn seine Ausrüstung bis ins letzte Detail durchdacht hat, überrascht nicht. Dass sich diese Details so klar am Schläger ablesen lassen, schon.
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