Lie beim Eishockeyschläger: Der unterschätzte Wert, der über deinen Schuss entscheidet
Lie beim Eishockeyschläger: der Wert, den fast niemand prüft – und der über deinen Schuss entscheidet
Zuletzt aktualisiert: September 2026
Flex? Kennt jeder. Curve? Auch klar. Aber Lie? Da schauen selbst erfahrene Spieler oft nur verwirrt. Dabei ist der Lie einer der Faktoren, die am direktesten darüber entscheiden, ob sich dein Schläger «richtig» anfühlt – oder eben nie so ganz. In diesem Guide bekommst du die Erklärung, drei Tests für zu Hause, eine Richtwerte-Tabelle nach Körpergrösse und Stand – und als Einzige im deutschsprachigen Raum den Lie aller 159 SOYUZ-Curves aus dem 3D Curve Lab.

Was ist der Lie überhaupt?
Der Lie beschreibt den Winkel zwischen Schaft und Kelle. Konkret: wie steil oder flach die Schaufel zum Eis steht, wenn du in deiner normalen Spielhaltung stehst und die Kelle komplett auf dem Eis aufliegt.
Die Skala läuft üblicherweise von 4 bis 7, in halben Schritten. Dabei gilt:
- Tiefer Lie (4 bis 5) = flacherer Winkel, der Schläger steht «gestreckter». Für Spieler, die aufrechter stehen, grösser sind oder den Puck weit vom Körper führen.
- Hoher Lie (6 bis 7) = steilerer Winkel, die Kelle steht mehr aufgestellt. Für Spieler mit tiefer Kniebeuge, kleinerer Statur oder engem Puckhandling nahe am Körper.
- Die meisten Spieler liegen zwischen 5 und 6 – und die meisten Curves werden genau dort gebaut.
So liest du die Lie-Angaben bei uns: Bei den Standardkellen P92, P29, P28, P90TM und P88 zeigen wir die Zahl, die du von Bauer und CCM kennst – gleiche Kelle, gleicher Winkel, gleiche Zahl. SOYUZ selbst nummeriert etwa einen Punkt höher (auf der P92-Kelle steht «LIE 7», das entspricht der Bauer-P92-Lie-6). Lie-Optionen dieser Kellen nennen deshalb beide Zahlen, z.B. «Lie 7 (SOYUZ 8)». Alle anderen Pro-Kellen ohne Retail-Pendant tragen die SOYUZ-Nummer.
Warum der Lie massiv unterschätzt wird
Die meisten kaufen einen Schläger nach Marke, Flex und vielleicht noch Curve. Der Lie läuft einfach mit, ohne dass er bewusst gewählt wird. Das Problem: Wenn der Lie nicht zu deiner Haltung passt, liegt die Kelle beim Schuss und beim Passen nicht flächig auf dem Eis.

- Lie zu tief für dich → die Ferse (Heel) der Kelle hebt vom Eis ab, du triffst den Puck eher mit der Spitze (Toe). Puckkontrolle und Schusspräzision leiden, Pässe hoppeln.
- Lie zu hoch für dich → die Toe hebt ab, du spielst mehr auf der Ferse. Schüsse werden ungenau, Handling fühlt sich «eng» und unnatürlich an.
Das Fiese daran: Viele merken das nie bewusst. Sie spüren nur, dass «irgendwas nicht stimmt», passen unbewusst die Technik an – eine leicht andere Kniebeuge, eine andere Griffhaltung – und verlieren Effizienz, ohne den Grund zu kennen. Der Lie ist der stille Faktor hinter dem Satz «der Stick fühlt sich komisch an».
Drei Tests, mit denen du deinen Lie zu Hause findest
1. Der Tape-Test (der ehrlichste). Schau dir das Tape auf der Unterseite deiner aktuellen Kelle nach ein paar Trainings an. Das Tape lügt nicht: Es ist dort abgerieben, wo die Kelle wirklich das Eis berührt.

- Abrieb vor allem an der Spitze (Toe) → dein Lie ist zu tief. Nimm 0.5 höher.
- Abrieb vor allem an der Ferse (Heel) → dein Lie ist zu hoch. Nimm 0.5 tiefer.
- Abrieb gleichmässig über die ganze Länge → passt. Nichts ändern.
2. Der Stand-Test. Schläger flach aufs Eis (oder auf einen glatten Boden, mit Schlittschuhen oder auf Zehenspitzen für die Höhe), normale Spielhaltung einnehmen, Puck vor dir. Schau, ob die komplette Unterkante der Kelle Kontakt hat. Liegt nur Toe oder nur Heel auf, stimmt der Lie nicht – oder die Länge, dazu gleich mehr.
3. Der Video-Test. Lass dich beim Handgelenkschuss und beim Stickhandling von vorne filmen. Im Standbild siehst du sofort, ob die Kelle kippt. Das ist der Test, der auch die Spielsituation abbildet, nicht nur den Stand.
Richtwerte: Welcher Lie passt zu Grösse und Stand?
Der Lie hängt weniger von der Körpergrösse ab als von deinem Stand – wie tief du in den Knien bist und wie weit du den Puck vom Körper führst. Die Tabelle ist ein Startpunkt, kein Gesetz.
| Körpergrösse | Aufrechter Stand, Puck weit vorne | Normaler Stand | Tiefe Kniebeuge, Puck nah am Körper |
|---|---|---|---|
| bis 165 cm | 5 | 5.5 | 6 |
| 165–180 cm | 4.5–5 | 5–5.5 | 5.5–6 |
| über 180 cm | 4.5 | 5 | 5.5 |
Verteidiger mit langem Schläger und aufrechtem Stand landen meist am unteren Ende, technische Stürmer mit tiefem Stand am oberen. Und noch etwas: Wer die Toe-Drag-Bewegung liebt, kommt mit einem etwas höheren Lie oft besser zurecht, weil die Spitze dann sauber auf dem Eis bleibt.
Lie und Länge gehören zusammen
Das ist der Punkt, den fast alle übersehen: Die Länge deines Schlägers verändert den effektiven Lie. Ein zu langer Schläger zwingt dich, die Hände weiter vom Körper wegzuhalten – der Schaft wird flacher, die Ferse hebt ab, es sieht aus wie «Lie zu tief». Ein zu kurzer Schläger macht das Gegenteil: Der Schaft steht steiler, die Spitze hebt ab, es sieht aus wie «Lie zu hoch».
Deshalb die Reihenfolge: Zuerst die Länge richtig wählen, dann den Lie beurteilen. Wer den Lie bei einem falsch langen Schläger «korrigiert», korrigiert das falsche Problem. Wie du die Länge findest und was Kürzen mit dem Flex macht, steht in der Grössentabelle und im Guide zum Kürzen und Verlängern.
Lie und Curve: Der Lie steckt in der Kelle
Der Lie ist keine Option, die du separat einstellst – er ist Teil der Kellenform. Jede Curve wird mit einem bestimmten Lie gebaut, und die Unterschiede sind grösser, als viele denken. Hier die beliebtesten SOYUZ-Curves mit dem Lie, wie er bei uns im Shop steht (Standardvariante) – daneben die Bezeichnung, die SOYUZ selbst auf die Kelle druckt:
| Curve | Lie im Shop | SOYUZ-Bezeichnung | Typ | Im Lab |
|---|---|---|---|---|
| P92 (Bauer P92 / CCM P29) | 6 | 7 | Mid Curve | 3D ansehen |
| P28 (McDavid / Pastrnak) | 5 | 5.5 | Toe Curve | 3D ansehen |
| P29 (Crosby) | 6 | 7 | Mid Curve | 3D ansehen |
| P90TM (Tavares) | 6 | 7 | Mid-Toe | 3D ansehen |
| P88 (Kane) | 6 | 6 | Mid Curve | 3D ansehen |
| P28M | 6.5 | 6.5 | Toe Curve, höhere Kelle | 3D ansehen |
| P92M (Matthews) | 7.5 | 7.5 | Mid Curve, höhere Kelle | 3D ansehen |
| P29M | 4 / 5 | 4 / 5 | Mid Curve, höhere Kelle | 3D ansehen |
| P86 (Bauer P86 / CCM P86) | 7.5 | 7.5 | Hybrid | 3D ansehen |
| P90 | 6.5 | 6.5 | Mid Curve | 3D ansehen |
Das erklärt einen Effekt, den viele kennen: Wer von der P92 auf die P29M wechselt, hat plötzlich einen Stick, der «sich anders stellt» – nicht wegen der Curve allein, sondern weil zwischen den beiden gut zwei volle Lie-Stufen liegen. Und wer P92 und P28 vergleicht, merkt: Die P28 steht einen Punkt flacher (5 statt 6). Genau deshalb bleibt ihre Spitze beim Toe-Drag so sauber am Eis.
Wie sind die Werte verteilt? In SOYUZ-Nummerierung liegen von den 159 Curves im Lab 39 bei Lie 6.5, 34 bei 7 und 30 bei 6 – fast zwei Drittel aller Kellen sitzen also zwischen 6 und 7 (auf der Bauer/CCM-Skala: 5 bis 6). 21 liegen bei 5.5, elf bei 7.5, und ganz aussen gibt es Exoten wie die P92B und P12B mit Lie 8.5 oder die P29M und P90M in der Lie-4-Variante.
Hinweis: Schaufellänge, Höhe und Face-Öffnung im Lab stammen aus der CAD-Vermessung. Die Lie-Werte sind Herstellerangaben – bei P92, P29, P28, P90TM und P88 in der Bauer/CCM-Skala, bei allen anderen Kellen in der SOYUZ-Nummerierung.
Lie-Varianten: dieselbe Curve, anderer Winkel
Bei einigen Familien gibt es dieselbe Kellenform in mehreren Lie-Varianten – das ist der Weg, wenn du deine Curve liebst, aber der Winkel nicht passt. Im Lab siehst du für jede Variante den Lie (bei den Standardkellen in der Bauer/CCM-Skala, mit SOYUZ-Bezeichnung in Klammern):
- P29 in 5.5, 6 und 7 (SOYUZ 6.5 / 7 / 8) → alle Varianten
- P90TM in 5, 5.5 und 6 (SOYUZ 6 / 6.5 / 7) → alle Varianten
- P92 in 6 (Junior: 5.5) → alle Varianten
- P90 in 6.5 und 7 (SOYUZ) → alle Varianten
- P28 in 5 (Junior: 4 und 4.5) → alle Varianten
- P29M in 4 und 5, P90M in 4 und 7.5 (SOYUZ), P28 +1/4 in 4.5 und 5 (SOYUZ 5.5 / 6)
Die Standard-Curves (P28, P28M, P29, P29M, P86, P88, P90TM, P92) kannst du ab einem Stick bestellen. Lie-Varianten und Pro-Custom-Kellen gibt es ab kleinen Mindestmengen – schreib uns, welche Variante du willst, wir sagen dir, was möglich ist.
👉 Zwei Curves im 3D-Vergleich nebeneinander legen
Du wechselst von Bauer oder CCM? So nimmst du den Lie mit
Nimm bei SOYUZ dieselbe Curve, die du heute spielst – P92 bleibt P92, P28 bleibt P28. Der Lie kommt automatisch mit, weil er in der Kellenform steckt – und im Shop steht bei P92, P29, P28, P90TM und P88 dieselbe Zahl wie bei Bauer/CCM, auch wenn SOYUZ die Kelle selbst anders beschriftet (SOYUZ «LIE 7» = Bauer Lie 6). Was sich beim Wechsel wirklich anders anfühlt, ist meist der Kickpunkt oder das Schaftprofil, nicht der Lie. Hast du bei deinem alten Stick Toe- oder Heel-Abrieb festgestellt? Dann ist jetzt der Moment, gezielt eine halbe Stufe zu korrigieren – über eine Lie-Variante oder über eine Nachbar-Curve mit passendem Winkel. Welche Curve welchem Bauer-, CCM-, Warrior- oder True-Muster entspricht, steht im Curve Compare.
Häufige Fragen zum Lie
Was bedeutet «Lie 5» konkret?
Lie 5 ist auf der Bauer/CCM-Skala der Mittelwert und der häufigste Wert überhaupt: Die Kelle steht in einem mittleren Winkel zum Schaft. Bei unseren Standardkellen gilt dieselbe Skala; bei den SOYUZ-Pro-Kellen heisst derselbe Winkel Lie 6, weil SOYUZ etwa einen Punkt höher nummeriert. Wenn du keinen Grund hast, davon abzuweichen, ist die Standardvariante deiner Curve der sichere Start.
Verändert Kürzen den Lie?
Den Winkel in der Kelle nicht – der ist gebaut. Aber den effektiven Lie auf dem Eis: Ein kürzerer Schläger steht steiler, die Spitze hebt eher ab. Deshalb zuerst die Länge festlegen, dann den Lie prüfen. Und nicht vergessen: Kürzen macht den Schläger auch härter, siehe Flex-Guide.
Woran erkenne ich einen falschen Lie im Spiel?
Pässe, die trotz sauberer Technik hoppeln oder zu hoch kommen. Handgelenkschüsse, die flattern. Ein Puck, der beim Stickhandling ständig über die Spitze oder Ferse «kippt». Und das sicherste Zeichen: einseitiger Tape-Abrieb an Toe oder Heel.
Welchen Lie spielen die Profis?
Fast alle zwischen 5 und 6, und die meisten bei 5 bis 5.5 – die Extremwerte sind selten. Was bei Profis wichtiger ist als der Nennwert: Sie stimmen Länge, Lie und Curve gemeinsam ab, statt eine Grösse isoliert zu ändern. Genau das kannst du mit einem Custom-Stick auch.
Kann ich den Lie bei SOYUZ frei wählen?
Der Lie ist Teil der Curve: Du wählst die Kelle, und der Lie ist damit definiert. Willst du deine Curve mit anderem Winkel, gibt es bei mehreren Familien Lie-Varianten (siehe oben). Im Curve Lab findest du den Lie jeder einzelnen Kelle.
Lie oder Curve – was entscheide ich zuerst?
Erst die Länge, dann die Curve, dann der Lie als Feinabstimmung. Die Curve bestimmt, wie du schiesst und passt; der Lie sorgt dafür, dass die Curve überhaupt flächig auf dem Eis ankommt. Ein perfekter Bogen mit falschem Lie ist wie ein guter Schuh in der falschen Grösse.
Fazit: Der stille Faktor, der oft den Unterschied macht
Flex bekommt die ganze Aufmerksamkeit, Curve ist der coole Faktor – aber der Lie entscheidet, ob deine Kelle überhaupt richtig auf dem Eis liegt. Mach den Tape-Test, prüf zuerst die Länge, und dann schau im Lab nach, wo deine Curve steht. Damit weisst du beim nächsten Stick-Kauf mehr über deinen Lie als die meisten Spieler in deiner Liga.
👉 Zum Curve Lab: Lie aller 159 Curves in 3D
👉 Curve Guide: Welche Kelle passt zu dir?
👉 Custom-Stick mit deiner Curve, Länge und Flex konfigurieren
Weiterführende Guides & Konfiguration
Der Lie ist ein Puzzleteil eines gut abgestimmten Schlägers. Passend dazu: welcher Bogen zu deinem Spiel passt, welchen Flex du brauchst, die Grössentabelle nach Körpergrösse und Gewicht, wie du richtig kürzt oder verlängerst und was der Kickpunkt bewirkt.






SOYUZ HIT GRIT
SOYUZ AURORA
SOYUZ ARCANE