Illustration of ten different tape jobs on ice hockey stick blades on an ice rink background

Hockeyschläger tapen: Kelle, Griff und Knauf richtig gemacht

Hockeyschläger tapen: Kelle, Griff und Knauf richtig gemacht

Jeder tapet seinen Schläger. Kaum jemand hat es je gezeigt bekommen. Die meisten machen es so, wie es der Mitspieler in der Garderobe gemacht hat – und der hat es auch nur abgeschaut.

Das Ergebnis siehst du auf jeder Bank: Tape, das nach zwei Trainings in Fetzen hängt, Knäufe so dick wie ein Tennisball und Kellen, die so viel Schnee sammeln, dass der Puck darauf schwimmt. Dabei ist ein guter Tapejob in fünf Minuten gemacht. Hier ist, wie.

Warum überhaupt tapen?

Tape an der Kelle hat drei Aufgaben:

  • Puckkontrolle: Stoffband ist rauer als Carbon. Der Puck klebt beim Annehmen und Führen etwas länger an der Kelle, statt abzuspringen.
  • Gefühl: Eine dünne Stoffschicht dämpft den Kontakt. Du spürst den Puck weicher – aber noch deutlich genug.
  • Schutz: Tape nimmt einen Teil des Abriebs auf, den sonst die Kelle selbst abbekommt: Eis, Bande, Schlittschuhe, Blocks.

Am Griff geht es um etwas anderes: Halt für die obere Hand und einen Knauf, damit dir der Schläger nicht aus dem Handschuh rutscht und du ihn vom Eis aufheben kannst.

Was du brauchst

Material Wofür
Stoffband (Cloth Tape), rund 2,5 cm breit Kelle und Griff – das klassische Hockeytape
Stickwachs Über das Kellentape reiben: weniger Schnee, längere Haltbarkeit
Griffband (Grip Tape), optional Gepolsterter, klebrigerer Griff statt Stoffband
Schere, optional Für saubere Enden an der Kelle

Was du nicht brauchst: Schienbeintape. Das dünne, dehnbare Band ist für Stutzen und Schoner gedacht und hält an der Kelle keine zwei Schüsse.

Die Kelle tapen – Schritt für Schritt

  1. Kelle sauber und trocken machen. Altes Tape komplett runter, Klebereste abreiben. Auf nassem oder dreckigem Untergrund löst sich neues Tape nach kurzer Zeit.
  2. Startpunkt wählen. An der Ferse (Heel) oder an der Spitze (Toe) ansetzen – dazu gleich mehr. Das Band beginnt an der Unterkante.
  3. Straff und gleichmässig wickeln. Jede Runde überlappt die vorherige etwa zur Hälfte. Zu wenig Überlappung gibt Lücken, zu viel macht die Kelle dick und dumpf.
  4. Falten ausstreichen. Nach jeder Runde mit dem Daumen glatt drücken. Falten sind die Stellen, an denen das Tape zuerst reisst.
  5. Sauber abschliessen. Am Ende das Band abreissen oder abschneiden und fest andrücken. Wer mag, schneidet das überstehende Tape entlang der Unterkante sauber ab.
  6. Wachsen. Das Wachs wie einen Farbstift über beide Seiten reiben. Es füllt die Fasern, hält Nässe und Schnee draussen und lässt das Tape deutlich länger leben.

Von der Ferse oder von der Spitze?

Die ewige Garderobendiskussion. Die ehrliche Antwort: Es ist Geschmackssache. Einen messbaren Leistungsunterschied gibt es nicht.

Die meisten tapen von der Ferse zur Spitze (Heel-to-Toe). Die Überlappungskanten zeigen dann Richtung Ferse – manche Spieler sagen, der Puck rolle beim Schuss dadurch etwas kontrollierter über die Kelle. Wer von der Spitze zur Ferse (Toe-to-Heel) tapet, schwört oft auf eine sauberere Annahme. Probier beides aus und bleib bei dem, was sich richtig anfühlt.

Wie viel Kelle soll getapt sein?

Eishockeyschläger-Kelle von der Ferse bis zur Spitze mit weissem Stoffband getapt
Ganze Kelle: Tape von der Ferse bis kurz vor die Spitze.
Eishockeyschläger-Kelle nur in der Mitte getapt, Ferse und Spitze frei
Nur die Mitte: Ferse und Spitze bleiben frei.
Eishockeyschläger-Kelle mit Tape bis ganz vorne an die Spitze
Toe-Betonung: Das Tape reicht bis ganz nach vorne.
Minimaler Tapejob mit Streifen entlang der Unterkante und Band an der Kellenspitze
Minimal: ein Streifen entlang der Unterkante, dazu ein Band an der Spitze.
Ganze Kelle – der Standard

Von kurz hinter der Ferse bis kurz vor die Spitze, meist mit etwa zwei Zentimetern Abstand an beiden Enden. Maximale Kontrolle und maximaler Schutz. Wenn du unsicher bist: so.

Nur die Mitte – mehr Gefühl, weniger Gewicht

Ein Streifen dort, wo der Puck am häufigsten liegt. Weniger Tape heisst direkteres Puckgefühl und etwas weniger Gewicht vorne an der Kelle.

Toe-Betonung – für Spieler, die über die Spitze arbeiten

Wer viel mit der Kellenspitze macht – Toe-Drags, Pucks aus der Bande fischen –, zieht das Tape weiter nach vorne. Genau dort reibt es sich am schnellsten durch. Bei Nikolaj Ehlers' gespieltem Schläger ist der Toe die am stärksten abgenutzte Stelle.

Minimal – der Profi-Trick aus dem Rollerhockey

Andres Ambühl tapet seine Kelle nicht durchgehend: unten ein einzelner schwarzer Streifen entlang der Unterkante, vorne am Toe eine weisse Einbindung. Zwei Zonen, zwei Funktionen, minimales Material. Das ist nichts für jeden, zeigt aber, dass „viel Tape“ nicht automatisch „besser“ heisst.

Gespielte Kelle von Nikolaj Ehlers' Pro-Stock-Schläger mit weissem Tape, Puckspuren und Abrieb am Toe
So sieht Tape nach echtem NHL-Einsatz aus: Puckspuren in der Mitte, durchgeriebener Toe – die Abnutzung zeigt, wo gespielt wird.

Schwarz oder weiss?

Der Klassiker unter den Hockey-Mythen: Schwarzes Tape soll den Puck für den Goalie unsichtbar machen. In der Praxis liest ein Torhüter den Schuss an Körper und Kelle des Schützen, nicht an der Tapefarbe. Einen nachweisbaren Vorteil gibt es nicht.

Ein praktischer Unterschied existiert trotzdem: Auf weissem Tape siehst du Puckspuren und Abnutzung sofort, auf schwarzem kaum. Nimm die Farbe, die dir gefällt – und die zu deinem Schläger passt.

Griff und Knauf tapen

  1. Knauf aufbauen: Am Schaftende mehrere Lagen übereinander wickeln, bis ein Wulst entsteht. Er soll dir Halt geben, nicht die Hand aufspreizen. Ein kompakter Knauf reicht völlig.
  2. Griff wickeln: Vom Knauf aus nach unten, mit derselben halben Überlappung wie an der Kelle. Als Faustregel etwa so lang, wie deine Hand im Handschuh greift.
  3. Spirale – optional: Manche drehen das Band vorher zu einer Kordel und wickeln sie als Spirale unter die letzte Lage. Das gibt fühlbare Rillen. Ob das wirklich besser greift oder reine Gewohnheit ist, darüber streiten sich Profis seit Jahrzehnten.
  4. Enden sichern: Das letzte Stück fest andrücken, damit sich nichts aufribbelt.

Halte den Griff schlank. Ein dicker Knauf sieht robust aus, schränkt aber die Beweglichkeit im Handgelenk ein – und damit dein Stickhandling.

Gelbes Stoff-Griffband am Knaufende von Trevor Zegras' Eishockeyschläger
Trevor Zegras: gelbes Stoffband, sauber überlappend, kompakter Knauf. Kein Gummi, keine Spirale – klassisch und funktional.

Wie verschieden das selbst bei Profis aussieht, zeigen die Schläger aus unserer Spec-Check-Serie: Zegras mit gelbem Stoffband und kompaktem Knauf, Ehlers mit anthrazitfarbenem Band ganz ohne aufgebauten Knauf. Eine Regel gibt es nicht – nur Gewohnheit.

Tape und Grip-Beschichtung

Wenn dein Schläger schon eine Grip-Beschichtung hat, brauchst du am Schaft nicht zwingend Tape – der Knauf bleibt trotzdem sinnvoll. Viele Spieler kombinieren beides: Grip für den ganzen Schaft, Tape nur oben am Knauf.

Der Unterschied: Grip ist dauerhaft, Tape ist Verschleissteil. Dafür kannst du Tape jederzeit ändern. Wer seinen Schaft ohnehin komplett tapet, kann bei einem Custom-Schläger auch „No Grip“ wählen.

Wann solltest du neu tapen?

  • Das Tape ist gerissen oder löst sich an den Kanten.
  • Es ist glatt geworden und der Puck springt wieder ab.
  • Es sammelt Schnee, obwohl du gewachst hast.
  • Es ist vollgesogen und wird nicht mehr trocken – dann wird die Kelle schwerer.

Wer mehrmals pro Woche auf dem Eis steht, tapet die Kelle oft nach wenigen Einheiten neu. Wichtig: Immer das alte Tape komplett entfernen, nie neues über altes wickeln.

Die 5 häufigsten Fehler

  1. Zu locker gewickelt: Das Tape wirft Falten und löst sich schnell.
  2. Zu wenig Überlappung: Es entstehen Lücken, an denen sich das Band aufrollt.
  3. Neues Tape über altes: Die Kelle wird dick, schwer und dumpf.
  4. Kein Wachs: Das Tape saugt sich voll und hält nur halb so lang.
  5. Riesiger Knauf: Sieht solid aus, bremst aber dein Handgelenk.

Häufige Fragen

Muss ich einen Carbon-Schläger überhaupt tapen?

Pflicht ist es nicht. Fast alle Spieler tun es trotzdem – wegen der Puckkontrolle und weil Tape einen Teil des Abriebs an der Kelle abfängt.

Wie viel Tape brauche ich pro Kelle?

Eine normale Rolle Stoffband reicht für mehrere Tapejobs. Wie viele genau, hängt davon ab, ob du die ganze Kelle tapest und wie stark du überlappst. Wer oft neu tapet, fährt mit einem Mehrfachpack günstiger.

Ist Tape auf der Rückseite der Kelle sinnvoll?

Ja, das Band läuft ohnehin um die ganze Kelle herum. So schützt es Vorder- und Rückhandseite gleichermassen.

Stoffband oder Griffband am Knauf?

Stoffband ist dünner und günstiger, Griffband ist gepolstert und klebriger. Beides funktioniert. Wer nasse Handschuhe hat oder mehr Halt will, greift zum Griffband.

Kurz zusammengefasst

Kelle sauber machen, straff mit halber Überlappung wickeln, Falten glattstreichen, wachsen. Die Richtung ist Geschmackssache, die Farbe auch. Am Griff: schlanker Knauf, sauberer Abschluss. Und wenn das Tape glatt oder gerissen ist: runter damit und neu.

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Weiterführende Guides

Dieser Artikel gehört zu unserem grossen Eishockeyschläger-Guide. Passend dazu: Grip oder ohne Grip, Schläger kürzen oder verlängern, Balance beim Eishockeyschläger und Andres Ambühls einzigartiger Tapejob.

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Andri

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Andri ist ein Hockeystick-Nerd, aktiver Hockeyspieler und Mitgründer von ABSHockey.
Er spielt Inline-Hockey in der Nationalliga A sowie Eishockey in der 4. Liga und teilt in seinen Artikeln praxisnahes Wissen rund um Hockeyschläger, Material und Performance.

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