Nikolaj Ehlers' Schläger: Was man einem Stock ansieht, der wirklich gespielt wurde
Nikolaj Ehlers' Schläger: Was man einem Stock ansieht, der wirklich gespielt wurde
Beim letzten Schläger in dieser Serie mussten wir schreiben, dass wir nicht wissen, ob er je auf dem Eis war. Bei diesem hier gibt es daran keinen Zweifel.
Weisses Tape, durchgezogene Puckspuren, abgeriebene Kanten, am Toe schaut das Carbon durch. Das ist ein Arbeitsgerät, kein Ausstellungsstück – und genau deshalb ist es der interessantere Schläger.
Was auf dem Schaft steht
- Modell: CCM Ribcor Trigger 7
- Flex: 80
- Schaftgeometrie: E
- Code: E36598 · V01
- Schusshand: Links
- Griff: Anthrazitfarbenes Stoffband bis zum Knauf
Der Schläger stammt aus Ehlers' Zeit bei den Winnipeg Jets. Die violette Grafik am unteren Schaft gehört zur Ribcor-Trigger-7-Baureihe.
Das „E“: eine Angabe, die es im Handel nicht gibt
Bei den meisten Pro-Stock-Schlägern in dieser Serie ging es um die Kelle. Hier steht etwas auf dem Schaft, das im Laden gar nicht erst zur Auswahl steht: die Schaftgeometrie.
CCM fertigt Pro-Schläger in mehreren Querschnitten. Das E steht für eine davon:
| Mass | Schaftform E |
|---|---|
| Breite | 19.8 mm |
| Höhe | 29.5 mm |
| Eckenradius | R 5.75 mm |
Klingt nach Erbsenzählerei, ist aber der Unterschied zwischen „liegt gut in der Hand“ und „liegt nicht“. Ein Schaft mit engerem Eckenradius fühlt sich käntiger an und gibt mehr Rückmeldung darüber, wie die Kelle gerade steht. Ein runderer dreht leichter in der unteren Hand.
Flex 80 – und wieder kein Extremwert
Achtzig. Damit reiht sich Ehlers exakt dort ein, wo inzwischen fast alle in dieser Serie stehen: Kane 77, Zegras 77, Aaltonen 77, Hischier 80, Malkin 87.
Acht Schläger, und der Mittelwert liegt unter 85. Ehlers ist einer der schnellsten Skater der NHL und lebt vom Tempo – ein weicher Schaft lädt schneller, und schneller ist bei ihm das ganze Programm. Die Ausnahme bleibt Draisaitl mit 100.
Die Kelle
Auch hier steht kein Kellencode – der dritte Fall in dieser Serie nach Ambühl und Aaltonen. Bei CCM ist das die Regel: Die Kelle hängt an der Spezifikation hinter dem Code E36598, nicht an einer Nummer auf dem Blatt.
Dazu kommt, dass die Kelle vollständig getapt ist. Tape zeichnet jede Kante weich, ein Kurvenverlauf lässt sich darunter nicht serios beurteilen. Wir können also festhalten: Zur Curve sagen wir hier nichts. Wir haben sie nicht nackt gesehen, und raten wäre einfach.
Was wir sehen, ist die Abnutzung – und die ist aussagekräftiger, als man denkt.
Was der Verschleiss verrät
Schau dir das erste Bild noch einmal an. Der Abrieb sitzt nicht gleichmässig über das Blatt verteilt, sondern konzentriert sich auf zwei Zonen: die Unterkante und den Toe.
Die Unterkante nutzt sich bei jedem ab, das ist der Kontakt mit dem Eis. Der Toe dagegen verrät den Spielstil. Wer viel über die Kellenspitze arbeitet – Toe-Drags, Pucks aus der Bande fischen, enge Wendungen – reibt genau dort das Tape durch. Bei Ehlers ist der Toe die am stärksten mitgenommene Stelle.
Das passt zu einem Flügel, der über Tempo und enge Puckführung kommt statt über den Schuss aus der Distanz.
Der Griff
Anthrazitfarbenes Stoffband, eng überlappend gewickelt, sauber bis über das Schaftende gezogen. Kein aufgebauter Knauf, keine Spirale, keine Farbe.
Nach Zegras in Gelb und Aaltonen in Rot ist das die zurückhaltendste Variante bisher – und zeigt, dass es beim Griffband keine Regel gibt, sondern nur Gewohnheit.
Der Spieler
Nikolaj Ehlers, Jahrgang 1996, ist der beste dänische Eishockeyspieler seiner Generation. 2014 an neunter Stelle von den Winnipeg Jets gedraftet, verbrachte er dort zehn Saisons. Seit 2025 spielt er bei den Carolina Hurricanes, wo er im Juni 2026 im Stanley-Cup-Final gegen Vegas traf.
Sein Markenzeichen ist die Geschwindigkeit – er gehört seit Jahren zu den schnellsten Skatern der Liga. Ein Schläger mit moderatem Flex und sichtbarem Toe-Verschleiss ist genau das Werkzeug, das zu diesem Spiel passt.
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